Mittelaltermarkt Walkingsimulator

Am 13 Februar 2018 erschien Kingdom Come: Deliverance und seit diesem Release verbrachte ich über 105 Spielstunden in Böhmen des 15 Jahrhunderts. Nun gibt es nach dieser langen Zeit einiges zu berichten. Von den Abenteuern, vor der Herausforderung, Frust und Kritik, aber ich kann auch was zum Spiel sagen. Auch wenn dies jetzt tatsächlich sehr spät für ein Review ist, aber ich habe mich ausgiebig mit dem Spiel beschäftigt um eine Meinung zu bilden.   

Long Time Ago  

Ich weiß nicht wann ich das erste Mal von Kingdom Come: Deliverance hörte, aber es war sehr kurz nach dem Beginn der Kickstarter Kampagne im Jahr 2014. Aufmerksam wurde ich durch die Namen ehemaliger Entwickler, Schreiber und Beteiligten Personen von Spielen, welche meine Jugend begleiteten und von denen ich ein großer Fan war. Zusätzlich sollte sich das Spiel mit dem Thema des Mittelalters beschäftigen, kein Fantasy Welt darstellen und eine Kampfmechanik ins Spiel einbringen, welche mehr Tiefgang bietet als das stupide draufhauen und Sprites umherwerfen. Ich war zuversichtlich, dass Kingdom Come: Deliverance eine Tiefe aufbauen kann und zugleich mich als alten Rollenspieler, nicht mit Komfortfunktionen erschlägt. Dann war noch der Punkt, welcher mich überzeugte für dieses Spiel Geld bereit zu legen. Der Linux Support. Ich weiß, dies ist sehr Naiv von mir gewesen, jedoch befanden wir uns in einer Zeit, im welchen Linux Gaming im Munde war. Valve hat gute Arbeit mit Steam geleistet und viele wollten auf den Zug mit aufspringen. Ich erinnere mich noch an die große Lüge von CD Projekt und Witcher 3. Jedoch soll Kingdom Come: Deliverance auf der Cryengine aufbauen und Crytek hat, kurz nach dem Start der Kickstarter Kampagne von Warhorse Studio, angekündigt die Cryengine für Linux zu porten. Crytek hielt ihr Versprechen, Warhorse Studio noch nicht.  Nun gab ich Warhose Studio mein Geld, denn ich war von dem Projekt überzeugt gewesen. Ein Rollenspiel ähnlich Elder Scrolls, Linux Support und der Versuch dieses Spiel realistisch wirken zu lassen. Was könnte den schief gehen?  

Und es ging so einiges Schief  

Mein Frust war bereits vor dem Release gewachsen. Lobend muss ich erwähnen, dass die ständigen Updates und News während des Crowdfundings mich immer auf dem laufenden hielten und das Feuer in mir immer wieder aufs Neue entfachte. Tagesabläufe der NPCs, Kleidung welche sich Abnutzt oder Dreckig wird, Rüstungen, Waffen, Animationen, Texturen, die Spielewelt, … im jedem Video welches den aktuellen Entwicklungstand zeigten, faszinierte mich das Spiel, auch wenn es zum sich Schluss mehr von den ersten Screenshots und Videos abwich. Andere Sachen wurden eingehalten. Als zum Beispiel angekündigt wurde, dass manche Aufgaben wie die Reparaturen von Waffen oder die Alchemie aus Minigames bestehen würden, war ich wiederum hellauf begeistert. Ich mag es, wenn Funktionen im Spiel mit etwas Aufwand betrieben werden müssen, sofern die sich nicht als nervige sich andauernd wiederholende Aufgaben anfühlen. Dann kam die erste Alpha Version, in welcher man sich Böhmen etwas anschauen konnte und ich war davon völlig gehypet. Die ersten Schritte bestanden noch aus etwas erkunden und schauen, sowie Bauzäunen und Dixis. Nach dieser Alpha Version folgte logischerweise die Beta und die dazugehörigen Update Videos wurden Teils seltsam, weswegen ich anfing mich mit dem Chef Entwickler Daniel Vávra mehr zu beschäftigen. Manche Beiträge, Tweets und Aussagen ließen mich misstrauisch werden. Einer der bekanntesten Vorfälle war wohl das Interview im Burzum Shirt. Aber zu den Vorfällen wurde im Internet bereits tiefgehend diskutiert und im Deutsch sprachigen Raum erhielten die Szenetypischen Medien auch zurecht jene Kritik, bezüglich der Berichterstattung. Das Spiel stand nun kurz vor dem Release und eigentlich nahm mir diese Entwicklung den Spaß, dieses Spiel überhaupt zu spielen. Den Eigentlich trenne ich Kunst und Künstler:Innen nicht. Aber bevor ich das ausgegebene Geld einfach verbrennen lies, entschied ich mich dann doch dafür es ausgiebig zu testen. Wenn ich dies erhalten hätte, wofür ich auch gebackt habe. Denn da begann der zusätzliche Frust.  

Ich gab dem Entwickler während der Kickstarter Kampagne Geld und hierfür versprachen die mir eine physische Kopie, mit Soundtrack, Making of DVD, Alpha und Beta Zugang zukommen zu lassen. Alpha und Beta konnte ich ja bereits beziehen und ich hatte meinen Spaß dabei, aber beim Release erhielt ich nur ein Steam Key. Ich schrieb den Support an, woraufhin mir dieser mitteilte, dass ich das erhielt was mir zustand. Ich korrigierte den Support und wies diesen darauf hin, dass ich auf Kickstarteter Geld investierte für die physische Kopie sowie, DVD und Soundtrack, ich gab alle Nachweise weiter welche ich zu diesem Zeitpunkt hatte. Der Support fing an mich zu ignorieren. Nach einer längeren Zeit schrieb ich den Support erneut an. Keine Antwort. Ich erstellte ein neues Ticket. Keine Antwort. Ich schrieb das Studio via Kickstarter und auch Kickstarter selber an. Keine Reaktion. Ich habe Warhorse Studio auf Twitter angeschrieben, keine Reaktion. Seitdem bin ich schlecht auf das Studio zu sprechen und verzichtete auf weitere Käufe.  

Technische Seite des Spieles  

Ich weiß nicht, ob die Cryengine nun eine gute Wahl war, denn optisch kann sich dieses Spiel sehen lassen. Wenn die Texturen, Elemente der Umwelt, Personen und Menüinhalte mal luden. Ich habe dieses Spiel von Version 1.0 bis zur Version 1.7.1 gespielt und mit der Veröffentlichung dieses Textes 105 Stunden investiert. Damit habe ich viel der Entwicklung mitbekommen. Es ist bekannt, dass Spiele gegenwärtig beim Kunden reifen, dies ist auch teils Okay, solange kein unfertiges Spiel verkauft wird, sondern ein Titel welcher nicht auf allen Konstellationen von Hard- und Software getestet werden konnte. Besonders bei Titel welche über Kickstarter finanziert wurden, besteht auch die Gefahr von vielen Bugs. Über manche Bugs konnte man hinwegsehen. Eine etwas schnellere Hardware wäre natürlich auch vom Vorteil gewesen. So fand ich mich damit ab, dass Polygone und Texturen nachluden. Über die langen Wartezeiten beim Laden des Spieles konnte ich auch hinwegsehen. Es gab aber auch ärgerliche Bugs. So glitchte ich durch die Welt oder hing irgendwo fest und da das Spiel keine Quicksave Funktion hat, sondern beim richtigen rasten, zwischen den Kapiteln oder nur mit Retterschnaps ein Savegame setzt, frustrierte es mich sehr, wenn Ein bis Zwei Spielstunden als Fortschritt verloren gingen. In den Anfängen stürzte das Spiel auch gerne sporadisch ab, ohne dass ich den Fehler rekonstruieren konnte. Soundbugs welche dazu führten, dass der Sound entweder gar nicht abgespielt wurde, Dialoge nicht vertont waren oder Sounds die nie enden wollten. Gelegentlich freezte das Spiel für wenige Augenblicke ein und es war ungewiss ob es gleich crasht oder weiter geht. Während meiner Spielzeit, erschien auch das erste DLC ‚From The Ashes‘, welches ich von einen bekannten erhielt, im welchen man ein Dorf wiederaufbauen muss. Da es sich mit meinem Spiel prächtig überschnitt, flieste diese Questreihe auch passend in mein Spiel hinein, sowie von Warhorse Studios angedacht. Nun ich baute die ersten Sachen wieder auf, riechtete über Streitigkeiten und war schnell pleite. Also flott Geld beschaffen gehen, im Kerker für Zehn Tage landen und die Herrschaft über das Dorf verlieren, welche man nicht wiedererhalten kann. Ich konnte beim Adel bitten und flennen, aber den Status des Vogtes erhielt ich nicht zurück. Also dachte ich mir, den aktuellen Vogt zu köpfen. Nicht einmal als Despot konnte ich über dieses Dorf regieren. Ergo war das investierte Geld nach wenigen Augenblicken verspielt. Danke für nichts.  

Was mir zu Beginn aus inhaltlicher Sicht nicht sofort klar wurde, ist das gewisse Quests nicht getriggert wurden. Bei Nebenquests ist es nicht so schlimm, auch nicht, wenn ich die Quest beendete, aber nicht abgeben konnte. Bei der Hauptquest war es ein Spielfortschritt von über Zehn Stunden, welchen ich erneut spielen müsste. Da der Console Befehle entzogen wurden, konnte ich es nicht einmal selber fixen. In Foren las ich ähnliche Probleme bei einigen anderen Spielern. Bei mir war es relativ zum Schluss des Spieles, im welchen ich die Hauptquest nicht vollenden konnte, da anscheinend die Hauptquest bei mir als Fehlgeschlagen markiert war, obwohl alles erfolgreich verlief. Wahrscheinlich anders als vom Entwickler gedacht, aber diese Quest war soweit erledigt. Eine andere Quest konnte ich bis zur Unendlichkeit wiederholen, da der Questgeber das Questende mit der Abgabe nicht verstand. So wurde ich unheimlich Reich. Als Zocker alter Schule versuchte ich mich mit unteranderem einem Hex Editor, das Savegame soweit zu manipulieren, dass entweder die Quest getriggert wurde oder der Fortschritt zurückgesetzt werden konnte, damit ich die Quest schnell erneut wieder spielen kann. Nach mehreren Tagen erfolglosen probieren, fand ich jemanden mit einen Savegame genau an dieser Position des Spieles. Mit Hilfe einer Modifikation erhielt ich die Möglichkeit zu cheaten und ich erstellte mir den Charakter ähnlich meines letzten Standes. Endlich konnte auch ich, Kingdom Come: Deliverance zu ende spielen.  

Geschichten aus Böhmen 

Far Cry bietet das Easter Egg, zu Beginn des Spieles ab zu warten statt die FluFlucht zu ergreifen, damit man seine Reise fortführen kann. Dadurch lässt sich Far Cry schnell durchspielen. In Kingdom Come Deliverance schaffte ich es in der ersten Aufgabe in den Kerker geworfen zu werden, während die Stadt in welcher der Protagonist Heinrich lebt niedergebrannt wurde. Game Over. 

Meine ersten Schritte in der Welt von Kingdom Come: Deliverance, ließ mich wie einen blutigen Anfänger bei Games wirken. Ich starb im Kerker, weil ich mich festnehmen ließ, ich habe mir eine blutige Nase geholt, starb mehrfach bei der Flucht, da manches nicht ganz offensichtlich war und die Steuerung mancher Funktionen wurde mir mit einer Wall Of Text erklärt. Jedes Studio hat seine Art zu vermitteln, wie man das eigene Spiel steuert. Manche nerven mit Unmengen an Texteinblendungen, andere machen es subtiler und sagen welcher Knopf gerade gedrückt werden muss, wenige lassen Spieler dies selber herausfinden. Bei Kingdom Come: Deliverance war dies eine Kombination aus allen. Allgemein sollte man bei diesem Spiel nicht dem roten Faden folgen, denn so lernt man gewisse Funktionen des Spieles nicht. So lernte ich die Möglichkeit der Alchemie sehr spät im Spielverlauf kennen und zwar als ich eine Optionale Aufgabe der Mainquest erledigen wollte. Im letzten Teil des Spiels wurde dies zum Geduldstest, als ich viele Elixiere händisch brauen musste, da mir der Perk für die automatische Zubereitung aus Mangel des Trainings fehlte. Über Dreißig Minuten verbrachte ich damit, Pflanzen aus dem Inventar zu nehmen, zu portionieren, die Menge vorzubereiten, kochen, destillieren und abzufüllen. Die Alchemie ist im Spiel sehr gut gelöst, jedoch bei einer solchen großen Menge der Zubereitung, ist dies nur frustrierend.  

Kingdom Come: Deliverance spielt bekanntlich im Böhmen zu Beginn des 15 Jahrhunderts, mit dem Intention ein reales Setting zu präsentieren und atmosphärisch bietet dieses Spiel auch genau das. Mich erwarten keine epischen Quests am Wegesrand, keine Dungeons mit Fallen und Schätzen, auch keine epischen Abenteuer in welche man hinein rutscht. Man ist nur Heinrich, der Sohn eines Schmiedes welcher Rache an den Angreifer seiner Siedlung schwor. Auf der Reise und der Entwicklung vom Schmiedejunge zum Ritter erlebt man einiges. Zum Beispiel wie man durch eine Stadt patroulliert, auf die Jagd geht, man lernt das Lesen und Schreiben, aber auch wie man mit einer Waffe umgeht, man pflückt Pflanzen und reitet umher. Der Müller unterrichtet einen wie man Schlösser knackt und dieses Minigame ist auch charmant gelöst, oder wie man Taschendiebstahl betreibt. Aber nein, Kingdom Come: Deliverance bietet nicht die epische Story, dafür aber eine solide und kitschige Story. So reitet man in die ehemalige Heimat, man wird darum gebeten einen Geistlichen für die Kirche aufzufinden und folgt nun einer Spur in den Wald, in welchem man plötzlich den Geistlichen aus den Händen von Banditen befreien muss. Oder man versucht einen anderen Geistlichen auf seine Seite zu ziehen und endet in einem Saufgelage, so dass die Messe am nächsten Morgen missglückt, zumindest bei mir. Abschnitte der Quest fügen sich nach und nach zu einem größeren Konstrukt zusammen, welche die Story des Spieles vorantreibt. So fängt man mit einer Spurensuche an und endet nach Stunden in einem Lager von Banditen. Die Aufgaben sind sehr Bodenständig und fügen sich zu einem logischen Konstrukt zusammen, auch wenn manche Abschnitte teils holprig rüberkommen oder ich mich frage, wieso ich die Stadtwache zu Beginn des Spieles zwar unterstützen soll, aber nach der ersten Nacht ich damit nichts mehr zu tun habe.  

Leider sind die Sidequests in den meisten Fällen sehr uninteressant. Gehe jagen und erledige Zehn Hase, bringe 50 Ladung Fleisch vom Wildschwein, besorge jenes und bringe mir denes. Man kennt diese Aufgaben zu gut aus anderen Spielen, aber nicht jede Sidequest ist so gestrickt. Gelegentlich gibt es einzelne Personen, welche einen eigenen Plott aufbauen. Da ist das Interesse groß herauszufinden, was sich hinter dem angeblichen Geist einer verstorbenen Person verbirgt. Oder ein Schmied, welcher das Geheimnis eins anderen Schmieds in Erfahrung bringen möchte. Manche Aufgaben der Müller sind ebenfalls interessant aufgebaut und sind nicht immer eine Abfolge von „Stehle mir Objekt X von Person Y“. Auch wenig Abwechslungsreich waren die Quests, in den man ein Lager von Banditen oder danach gefolgt von den Kumanen säubern muss. Diese Quests liefen immer gleich ab. Zusätzlich zu den Quests gibt es kleine Wettbewerbe im Bogenschießen die man absolvieren kann. Natürlich darf auch ein Glückspiel im Spiel nicht fehlen. Wobei das Würfelspiel sich bei mir bis heute nicht erschließt. Gelegentlich habe ich Glück, meistens Pech und selbst mit gezinktem Würfel verliere ich, weswegen ich das würfeln auch lies. Tatsächlich kann man viel in diesem Spiel erleben, man muss es nur finden und wahrlich ich habe nicht alle Aufgaben erledigt, welche in meinem Log niedergeschrieben waren.  

Atmosphäre 

Meine Lieblings Beschäftigung war es mich außerhalb der Orte zu bewegen und zu reiten. Tatsächlich habe ich noch in keinem anderen Spiel die Natur so schön erlebt, wie in Kingdom Come: Deliverance. Bäche die sich durch einen Wald schlängeln. Kleine Seen welche sich in einem Wald befinden, überwucherte Wege mit alten Zäunen die zu einer Mühle führen, ein Fluss welcher sich durch die Landschaft am Rande eines bewaldeten Abhangs führt oder Felder voller Kräuter und Blumen, die im Wind wehen. Abseits der Städte und Dörfern verbrachte ich gern die meiste Zeit. Die Schnellreise Funktion benutzte ich selten, da das Spiel atmosphärische Momente der Entspannung gab, wenn man ein Pfad entlang ging und die Sonne auf- oder unterging. Nachts war es so finster, dass die Fackel einen blendete und die Sicht begrenzte. Wenn es anfing zu regnen, fühlte ich mich wie in einem Sommerregen versetzt, als würde ich es riechen und spüren. Wenn sich am Himmel dunkle graue Wolken zusammenfanden, die Welt verdunkelten und ein Gewitter herbeizog, wechselte sich auch sich auch die Sättigung der Farben und solch Details machen aus einem Wetterwechsel viel in der Stimmung aus.  

Aber nicht nur die Optik der Natur, auch der Klang der Umgebung lies mich in diese Welt vertiefen. Wenn der Regen am Rande eines Waldes fällt, das Lagerfeuer am welchem man sitzt vor sich knistert und die Geräusche des Waldes gelegentlich ein Laut von sich geben, fühlte es sich an als wäre man dort. Oder wenn man bei Nacht an einem kleinen Teich, Weiher oder Bach steht und das Geräusch des Wassers die Umgebung sanft untermalt, während zirpende Geräusche für Abwechslung sorgen. Auch bei Tage, wenn man am Waldrand steht, der Wind übers Gras weht, Vögel zwitschern und gelegentlich ein Hund bellt, so fühlte ich mich an meine Spaziergänge abseits der Städte meines privaten Umfeldes erinnert. Ja, dieses Spiel schafft es wirklich die Natur mit Flora und Fauna wie kaum ein anderes Spiel atmosphärisch zu übertragen.  

In den Städten sah es leider etwas anders aus. Ich persönlich war ungern in den Städten unterwegs, diese waren eher ein Mittel zum Zweck. Hier gab es Schmiede, Becker, den Zuber, Händler und Schneider. Zwar hatten die NPCs ihre Tagesabläufe um die Stadt belebter wirken zu lassen, jedoch hatte es oft den Schein, als würden diese Menschen einfach nur umherlaufen. Des Öfteren erwischte ich auch einen Haufen der NPCs im Schlafgewand in der Scheune einer Taverne, als würden sich die Statisten dort verstecken, damit ich denke die sind alle nach dem betrinken Heim. Es gibt vereinzelte Charaktere welche herausstechen. Der verwirrte Kuttenträger, welcher von Geschichten aus dem Benachbarten Polen erzählt, im welchen Angsteinflößende Wesen eine sogenannte Wilde Jagd treiben und die all die Polen eine blühende Fantasie haben. Dabei spielen seine Aussagen auf das Spiel The Witcher 3 und deren Entwickler an. Wenige NPCs sind soweit einzigartig, dass die hervorstechen. Die meisten empfinde ich persönlich als unsympathisch, aber diese gehören zum Plott hinzu.  

Diese Welt wirkte wie eine große Würtschen Party. Tatsächlich scheint Böhmen während des 15 Jahrhunderts fast nur aus Männern zu bestehen. Kinder welche in den Ortschaften leben findet man vergeblich. Es scheint, als gebe es kaum Frauen im Böhmen und wenn, müssen die alle aus demselben Genpool entstammen sein, denn die Frauen wirken fast alle identisch. So sehr identisch, dass in einer Szene dasselbe NPC Model zweimal vorhanden war und fast synchron jeweils einen Patienten verarzteten. Wäre dies irgendwo abseits der Mainquest geschehen, würde ich es wohl mit zuckenden Schultern ignorieren, aber dies geschah in mitten des Endgames. Im ganzem gab es anscheinend auch nur Drei Frauen, welche sich von den ganzen NPCs unterschieden und während des Spielverlaufs dann auch keine Rolle mehr spielten. Ja es standen auch überall Händlerinnen, aber im Gegensatz zu den männlichen NPCs unterscheiden sich diese kaum von einander. Als wäre Böhmen nur ein Spielplatz für Jungs die raufen wollen.  

Ein weiteres Problem zu der Spielwelt ist zu sagen, diese ist zwar Groß und schön dargestellt, aber sie fühlt sich so leer an. Es gibt wenige Gründe wieso man in die schönen Wälder und Abseits der Wege gehen sollte. Hin und wieder erlebte ich ein Überfall von Banditen auf meinen Reisen, aber die KI setzt da oft aus und man kann sich vor den Augen der Banditen hinter diese schleichen. Kaum Sidequests die man am Wegesrand findet. In den Wäldern entdeckte ich zwar gelegentlich Lager von Wilderer oder Banditen und hin und wieder sind Köhler aufzufinden, aber diese sind einfach nur da. Es findet keine Interaktion mit der Umwelt des Spieles statt. Es wäre ja lohnenswert, wenn man als Spieler belohnt würde, wenn man die Welt erkundet. Verstecke, Lager und (verlassene) Höfe mit einer kleinen Geschichte, welche die Umwelt formen, wären schön gewesen. So gab es für mich wenig bis keine Motivation die Welt abseits der Wege zu bereisen, bis auf der schönen Atmosphäre der Natur.  

Gameplay 

Als erstes möchte ich mein Verständnis eines Rollenspiels erklären. Für mich gehört eigentlich mehr dazu, als nur Werte steigern zu lassen. Die aktuellen Tomb Raider sind auch keine RPGs, weil man Perks freischalten kann. Für ein richtiges RPG muss ich mir mein Charakter selber erstellen. Kingdom Come: Deliverance ist hinsichtlich dieser Kriterien eher Action Adventure mit RPG Elementen, welche es soweit auch gut macht. Hierbei handelt es sich nicht um ein Komplexes Rollenspiel System wie bei Das Schwarze Auge oder Dungeons and Dragons, sondern eine Versimpelung um den Spieler im weiteren Spielverlauf mit Komfortfunktionen zu unterstützen. Dies ist vollkommen okay und es gibt ja eine leichte Entwicklung des Charakters, welche sich dem Spielstil anpasst. So werden nach einer Zeit das knacken der Schlösser einfacher bis hin, dass die einfachsten Schlösser automatisch geknackt werden.  

Das Kampfsystem empfinde ich persönlich als gelungen. Es ist anders, als wie man es bei Skyrim und anderen Vertretern kennt. Es ist langsam und schwerfällig. Ein Kampf gegen mehr als Zwei Gegner ist fast unmöglich und jedes Duell war einzigartig. Manche Kämpfe sind schnell abgewickelt worden, andere zogen sich. sich. Das machte jeden einzelnen Kampf interessant und spannend. Es gab Ausnahmen, wenn man vom Rücken des Pferdes mit Pfeil und Bogen schoss, waren die meisten Gegner eher nur Opfer und man konnte die damit super farmen. Der Nahkampf ist durch die Sechs verschiedenen Angriffsrichtungen komplexer und ein reines drauf hauen hat meistens wenig bis keinen Erfolg gezeigt. Jeder Schlag kostet Ausdauer und es geschah des Öfteren, dass man sich gegenseitig umkreiste, bis man wieder zuschlug. Man kann Hiebe andeuten und den Schlag umschwenken, Paraden sind wichtig im richtigen Moment durchzuführen. Ist die Waffe zu lang und ihr steht zu nah an einer Wand oder ein anderes Hindernis blockiert euch, so kann ein Hieb aus dieser Richtung nicht mehr durchgeführt werden. So wird jeder Kampf etwas Einzigartig und kein einfaches abarbeiten.  

Schießen mit den Bogen war oft ein Rätsel, wieso der Pfeil ausgerechnet jetzt sein Ziel traf und vorher 15-mal daneben ging. Dennoch war der Bogen eine oft benutzte Waffe bei mir. Nicht nur für die Jagd, sondern auch als erst Angriff, bevor der Gegner in Nahkampfreichweite kam. Dabei gibt es kein Fadenkreuz mit welchen man zielen könnte und den Bogen kann man auch nicht für eine Ewigkeit gespannt lassen. Auch finde ich es gut, je länger man den Bogen spannt umso mehr Ausdauert verliert man.  

Reiten war meine absolute bevorzugte Reisemöglichkeit. Animation, Sicht, Akustik und des Öfteren aus dem Sattel geworfen zu werden, machte so viel Spaß. Mir ist schon oft auf der Flucht passiert, dass ich meinte im Wald wäre ich sicher und ich gegen einen tiefhängenden Ast ritt, wodurch ich aus dem Sattel gerissen wurde. Aber auch die schwerfällige Steuerung machte viel vom Spaß aus. In Verbindung der Landschaft und Vegetation, mit der schönen Soundkulisse war das Reiten, einer meiner Lieblings Beschäftigungen im Spiel. 

Was ich bei vielen Spielen vermisse, ist ein Modus mit Hunger, Müdigkeit und Durst. Es gibt Survival Games, die diese Funktion bieten, aber der ist oft sehr nervig eingebaut. Alle Fünf Minuten ist irgendein Wehwechen welches behandelt werden muss. Hunger. Pipi. Durst. Sind wir bald da? Bekomme ich ein Eis? Mimimimi. Hier bei Kingdom Come: Deliverance war es keine Belastung. Nach einen Tag in der Wildnis bekommt der Charakter Hunger, man kann aber auch mal den Gürtel enger schnallen. Langsam senkt sich die Ausdauerleiste. Müdigkeit lässt die Optik schwanken und das Sichtfeld begrenzen. Man bekommt mit, dass der Charakter Müde wird. Die unterschiedlichen Stati nerven nicht und erinnern einen daran, dass man kein Super Krieger ist, welcher jetzt 30 Tage durch macht, ohne was zu essen. Wunden müssen verarztet werden und Lebenspunkte sowie Wunden verheilen beim Schlafen. Das passt super in das Gesamtbild des Spieles, ohne eine nervende Last zu sein. Bereits bei Spielen wie S.T.A.L.K.E.R und Fallout New Vegas war mir das positiv aufgefallen.  

Lesen muss gelernt sein. Tatsächlich kann der Charakter zu Beginn des Spieles nicht Lesen und die Bücher zeigen nur eine wirre einander Reihung von Buchstaben. Durch eine durchgehende Übung und lesen von Büchern, werden nach und nach die Texte erkennbar.  

Von Realismus doch nicht soviel 

Warhorse Studios schrieben sich den Realismus groß auf die Fahne und begründen damit ihre Entscheidungen, was wie im Spiel eingebaut wurde. Während das Spiel im Ganzen den Charm des Mittelalters überliefert und es sich so korrekt anfühlt, dass Klischees bedient werden, lässt es die aktuellen Erkenntnisse weg. Das wir das Mittelalter nicht bis hin zum letzten Detail Wahrheitsgemäß darstellen können, sollte wohl jedem klar sein. Im Ganzen wirkt es jedoch wie die romantisierte popkulturelle Fassung des Mittelalters, wie wir es unteranderem aus Filmen kennen. Über dieses Thema haben sich bereits viele gestritten, aber es wurden Erkenntnisse von Daniel Vávra unter den Tisch gekehrt, revidiert oder teils nicht einmal gegen argumentiert, sondern gepöbelt. Kingdom Come: Deliverance wirkt zu Letzt wie ein Mittelaltermarkt voller Klischees. Es wäre ja kein Problem, wenn Warhorse Studios nicht dauerhaft mit dem Realismus werben würde und auf die akkurate Darstellung bestünde. Ja, Kleidung, Rüstung, Schriften und Darstellung wirken sehr akkurat, jedoch wirkt die Welt so, als seien die Entscheidungen aus persönlichem Interesse über das Thema gestellt und mit dem Thema Realismus andere Positionen totgeschlagen, wie ein kleines Kind welches darauf besteht Recht zu haben. Hätte das Marketing nicht durchgehend darauf bestanden und darauf hingewiesen, dass Kingdom Come: Deliverance historisch Akkurat sei, so wäre dieses Thema wohl auch nicht so stark hoch gekocht. Da sich aber auch der Chef Entwickler immer entsprechend mit seinem skurrilen Weltbild darstellt und dies auf das Spiel abfärbt, wird dieser bittere Beigeschmack auch bleiben.  

Fazit 

Wenn ich über die politische Debatte und die technischen Schwächen hinwegsehe, bringt das Spiel eine schöne Atmosphäre in einer romantisierten Mittelalter Welt mit kitschiger Story. Das Gameplay verzichtet auf Vereinfachungen, Kämpfe wirken anstrengend, dafür aber immer individuell. Der Plott des Spieles bietet wenig Tiefgang, wird künstlich in die Länge gezogen, trieb mich aber bis zum Schluss an, das Ende zu erreichen. Der Rollenspielaspekt ist ebenfalls sehr simpel dargestellt, in dem man nach gewonnen Erfahrung Perks freischaltet. Leider schwächelt das Spiel in der Leere der Welt, außerhalb von Städten und Dörfern. Da viele stellen von Böhmen aus nichts bis auf der Vegetation besteht, wäre eine etwas schlauchigere Welt und Spielweise vom Vorteil gewesen. Zwar machte es mir viel Spaß von einem Ende der Karte bis zum anderen im schnellen Galopp zu reiten, jedoch war dazwischen nicht viel zu entdecken oder zu erleben. Über die langen Ladezeiten konnte man schmerzlich hinwegsehen, teils jedoch waren diese bei Momenten in denen ich mich „warum?“ fragte. So geschah es, dass ich nach einem gewonnenen Kampf, einen Fünf minutigen Ladebildschrim ansah, damit ich mir ein Videoclip mit 30 Sekunden Länge ansehen durfte, woraufhin wieder ein Ladebildschirm folgte, ich eine Leiter hochkletterte und wieder ein Ladebildschirm erhielt. Teils kamen diese, wenn ich ein Dialog starten wollte, was glücklicherweise behoben wurde. Abstürze, nicht ladende Texturen und Polygone machten die Atmosphäre kaputt, wenn man mitten in dieser drin war. Kaputte Trigger bei Quests, welche den Spielfortschritt nach Stunden das Spiel unbrauchbar machten und auch Quests in den man nicht vorankommt, weil man die Nadel im Heuhaufen suchen muss, sind sehr frustrierend. Der politisch bittere Beigeschmack den Daniel Vávra dauerhaft lieferte und das bestehen darauf das Spiel sei ja historisch Akkurat, wobei manches passend hingebogen wurde, schwingt immer im Hintergrund mit. Dann kommt noch die Vorgeschichte, welche ich selber mit Warhose Studio erlebte. Zwar sollte ich dies nicht in eine Wertung mit aufnehmen, jedoch ist dies ja der Support des Herstellers und es steht damit im direkten Kontakt zum Spiel.  

Ich bin froh darüber, Kingdom Come: Deliverance nach über Einhundert Spielstunden beendet zu haben. Ich bereue es nicht, es gespielt zu haben. Ich hatte meine Momente der Unterhaltung, aber das Spiel erfüllte nicht die Erwartungen. Es ist fernab der Kickstarter Kampagne und schwächelt auf technischer Ebene. Leider ist da mehr ein Hype um das Spiel entstanden, als das es realisieren konnte was es versprach. Warhorse Studios sollte weniger Zeit in sinnlose DLCs stecken, als das Spiel endlich mal zu fixen.